N.E.X.U.S. – Next Evolution Xperience United Species
Aus der N.E.X.U.S.-Gemeinschaft ·

Wenn Lernen wieder Freude macht:

Ihr Lieben,

bitte lasst mich noch das Konzept einer Bildung zuende denken und auf das konkrete Miteinander anwenden.

In dem überkommenen Bildungssystem fanden sich Lehrer und Schüler ungefragt in einem hierarchischen System und vorgeschriebenen Rollen wieder. Die Schule alten Stils entsprach einem mechanistischen Weltbild, dessen Akteure sich als Befehle ausführendes Organ und triviale Maschinen in einer Bürokratie verstanden und sich gesteuert und kontrolliert fühlten. Zum Erhalt der Institution hatten normative Regeln und Benotungen als Kontrollinstrumente einer vorgegebenen Wahrheit entsprechend akzeptiert zu werden, die nach ‚richtig‘ und ‚falsch‘ sowie messbaren linearen Fortschritten und durch Instruktion, Anordnungen und Befehlen verfuhren.

Unter den Kollegen fand eine gewisse Konkurrenz auch um Beförderungen innerhalb der Hierarchie statt, Überforderung und Stress kennzeichneten die Interaktion zwischen Lehrern und Schülern, sodass für die eigentlich menschliche Kommunikation und Nöte von Schülern kaum Zeit blieb. Letztlich wurden so geschlossene Systeme produziert, mit denen sich die Akteure identifizieren und die sie gegenüber ‚falschen Weltbildern‘ verteidigten mussten. (vgl. Malik, F., Führen – Leisten -Leben. Frankfurt 2006: 434)

Wenn aber, wie die Biagogik meint, das Leben selbst bildet, dann muss die Bildungsorganisation auch auf das Leben hören, die Bedürfnisse der Lernenden wahrnehmen und eine Kommunikation auf gleicher Augenhöhe pflegen. Sie lässt viele Wahrheiten zu, hat vielfältige Wechselwirkungen im Blick, arbeitet mit Feedbackschleifen, macht Entscheidungen von Kontexten abhängig, setzt auf Selbststeuerung und -organisation und ist offen für Rollenübernahmen als Impulsgeber, Gärtner, Entwicklungshelfer oder Coach. Ihr Miteinander kennzeichnet sich durch Zuhören, Fragen, Dialoge, Diskussionen, Lernen des Lernens, also durch einen dynamischen Interaktionsprozess.

Auf diese Organisation passt der Systembegriff als „Theorie des Lebendigen“ nach Niklas Luhmann – dieser griechische Begriff bedeutet „zusammen + stehen“ – und meint ein Ganzes, dessen Teilsysteme zusammenwirken. Als offenes System strebt es ein Gleichgewicht mit seiner Umwelt mit seinen vielfältigen Vernetzungen an. Organisationen bestehen demnach aus ‚Kommunikationen‘. Als lebende Systeme sind ihre Akteure selbstreferenziell und operational geschlossen; sie verändern sich dann, wenn sie dazu bereit sind und dies als relevant erachten.

Da keine äußeren Zwangsmaßnahmen angewandt werden, ist in einer systemischen Prozessqualität von Bildungseinrichtungen ein ethischer Wertekanon hilfreich, denn Lernen und Kommunikationen sind grundsätzlich nur in positiver Haltung möglich (Gerald Hüther, Was wir sind und was wir sein könnten: Ein neurobiologischer Mutmacher. Frankfurt 2011)

Wir brauchen also nicht nur Selbstkenntnis, sondern auch eine Kultur der Selbstbeobachtung und der Selbstevaluation von Lernenden Organisationen. Diese achtsame Haltung in einer neuen „Wir“-Kultur fällt nicht vom Himmel. Dafür brauchen wir eine positive ‚Fehlerkultur‘ und eine Kaizen-Haltung der beharrlichen Verbesserung in kleinen Schritten. So wollen wir die Fähigkeit schulen, mit dem Unerwarteten positiv umzugehen, und zwar, so schlage ich vor, mit Kriterien aus der Organisationspsychologie von Sutcliff/Weick, die ich hier übersichtlich für die Anwendung in Lern- und Arbeitsgruppen in ein Schaubild gefasst habe. Herzliche Grüße und bis zum nächsten Dienstag von euerer Heidrun!

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