Im Auftrag von einem Mitglied
Visionsbeitrag für Arbeitskreis 2: Generationenübergreifende Reha-Pflegezentren und lebendige Dorfgemeinschaften – organisiert über N.E.X.U.S.
Von: Bärbel (Netzwerk Südostbayern)
Liebe Gefährten im Arbeitskreis 2,
da ich es heute leider nicht persönlich ins Meeting schaffe, möchte ich euch unsere Vision für einen der wichtigsten gesellschaftlichen Bausteine schriftlich übergeben: die würdevolle, generationenübergreifende Fürsorge für unsere Ältesten und die Transformation unseres Zusammenlebens in autarke, lebendige Gemeinschaften – von der Basis auf organisiert über N.E.X.U.S.
1. Der Ausgangspunkt: Das bestehende System überwinden
Wir erleben tagtäglich, wie menschenverachtend und profitorientiert das herkömmliche Pflege- und Betreuungssystem geworden ist. Ältere Menschen werden oft isoliert, verwahrt und medikamentös ruhiggestellt, während Angehörige überfordert sind und immense Summen (oft über 5.500 € monatlich) an anonyme Träger abfließen, ohne dass echte Menschlichkeit gelebt wird.
Katharina Jansen hat diese Missstände in ihrem Buch „Todesurteil Pflegeheim“ schonungslos aufgedeckt. Für uns war klar: Wir wollen nicht länger gegen das alte System ankämpfen, sondern parallel dazu eine völlig neue Lebenswirklichkeit aufbauen. Wir wollen unsere Ältesten nicht abschieben, sondern sie wieder dorthin holen, wo sie hingehören: in die Mitte unserer Gemeinschaften.
2. Die Vision: Reha-Pflegezentren als Keimzellen neuer Dörfer
In Zusammenarbeit mit Katharinas Initiative (u. a. profi-pflege.info) bauen wir ein Modell auf, das weit über reine Pflege hinausgeht:
- Reaktivierung statt Verwahrung: Die Ältesten sollen in einer liebevollen Umgebung wieder zu Kräften kommen, mobilisiert werden, Medikamente abbauen und wieder aktiv am Alltag teilhaben.
- Umnutzung vorhandener Ressourcen: Überall in unseren Regionen stehen Immobilien leer – verlassene Hotels, ehemalige Erholungsheime oder aufgegebene Caritas-Zentren. Wir nutzen staatliche Fördergelder für Reha-Pflegezentren (bis zu 100.000 € pro Pflegebedürftigem bzw. 5–6 Mio. € pro Haus), um diese Häuser zu übernehmen und für 50 bis 60 Bewohner herzurichten.
- Ganzheitliche Lebensräume: Rund um diese Zentren entstehen echte Kleindörfer. Dazu gehören:
- Permakultur- und Selbstversorgungsgärten zur gesunden Ernährung.
- Betriebseigene Kitas vor Ort, damit Mitarbeiter ihre Kinder nah bei sich haben und Alt und Jung sich täglich begegnen.
- Wohn- und Arbeitsräume (auch Remote-Arbeitsplätze) für Menschen, die dort leben und mitwirken wollen.
- Handwerks- und Reparaturwerkstätten sowie Kulturangebote.
3. Das Netzwerk der Nächstenliebe: Lokale Ortsgruppen aktivieren
Nicht jeder ältere Mensch muss in ein Zentrum ziehen – viele möchten in ihren eigenen Häusern bleiben. Doch oft sind die Angehörigen überlastet. Hier greift die Verbindung zu unseren regionalen Ortsgruppen:
- Nutzung vorhandener Budgets: Ab Pflegegrad 2 stehen jedem Pflegebedürftigen monatliche Gelder für Entlastungs- und Verhinderungspflege zu. Statt dieses Geld großen Pflegekonzernen zu überlassen, binden wir Menschen aus der direkten Nachbarschaft und unseren Ortsgruppen ein.
- Praktische Nachbarschaftshilfe: Menschen aus dem Ort übernehmen Aufgaben wie Gartenarbeit, Kochen, Putzen, Spazierengehen, Vorlesen oder einfach Zeit schenken – und werden dafür aus diesen Töpfen vergütet.
- Wertebasierter Ausstieg: Dadurch schaffen wir einen realen Weg, wie Menschen ihre bisherigen System-Jobs reduzieren oder verlassen können, um sinnstiftende, regionale Arbeit in der Fürsorge zu leisten.
4. Die Umsetzung: Organisation und Koordination über N.E.X.U.S.
Damit diese Vision nicht abstrakt bleibt, sondern im Alltag skaliert und funktioniert, ist N.E.X.U.S. unsere zentrale Plattform und Infrastruktur:
- Strukturierung in Kreisen: Unsere regionalen Gruppen (wie Südostbayern) werden direkt als N.E.X.U.S.-Kreise abgebildet. Jeder Ort kann einen eigenen Kreis bilden, in dem Bedürfnisse, Leerstände, Fachkräfte und Hilfsangebote koordiniert werden.
- Projekt- und Aufgabenmanagement: Über die Werkzeuge in N.E.X.U.S. teilen wir Arbeitsbereiche ein, erfassen Tätigkeiten und managen die Hausprojekte transparent im Team.
- Modulare Bausteine: Jedes Dorf und jedes Pflegehaus hat andere Bedürfnisse. N.E.X.U.S. liefert uns den Werkzeugkasten: Ob Tauschring, Zeiterfassung, juristische Trägerbausteine (Vereine, Genossenschaften) oder dezentraler Werteaustausch – wir ziehen uns genau die Bausteine heraus, die vor Ort gebraucht werden.
- Schutz und Unabhängigkeit: Wir nutzen die geschützte, werbefreie und werteorientierte Umgebung von N.E.X.U.S., um die Menschen aus der Region mitzunehmen, zu vernetzen und vor alten Systemabhängigkeiten zu bewahren.
5. Der aktuelle Fahrplan
- Bis Ende des Jahres: Konkrete Vorbereitung und Start von 3 bis 4 Pilotprojekten in Südostbayern, inklusive der Vereinsgründung im November.
- Nächstes Jahr: Schrittweiser Roll-out des Modells und flächendeckende Verankerung der Ortsgruppen und Pflegekreise über N.E.X.U.S.
- Langfristig: Dieses Modell ist als Blaupause gedacht – wenn wir zeigen, wie es in Südostbayern gelingt, kann jeder andere N.E.X.U.S.-Kreis (ob im Rheinland, in Baden oder auf Teneriffa) genau denselben Baustein für seine Region adaptieren!
Lasst uns diese Bausteine gemeinsam mit Herz, Hand und Verstand mit Leben füllen!
Herzliche Grüße aus Südostbayern,
Eure Bärbel